Radio und Karneval

Zugegeben, auf den ersten Blick haben diese beiden Begriffe nicht wirklich viel miteinander gemeinsam. Wer jedoch beides kennt, dieses noch unfreiwillig und sich deshalb sofort davon distanziert, wird sofort die Parallelen ausmachen, die diese beiden Begriffen oder vielmehr das, was jeweils dahintersteckt, verbindet. Ein Wort genügt: Wiederholung. Dieses eine Wort trifft es so genau, wie es wohl kein anderes Wort im deutschen Sprachraum treffender ausdrücken könnte. Diejenigen, die sich jetzt fragen, was mit Wiederholung gemeint sein könnte, gehören  mir großer Wahrscheinlichkeit einer von zwei verschiedenen Gruppen an. Die erste Gruppe ist diejenige, die wohl alle die beneiden werden, die sofort etwas mit dem Begriff Wiederholung anfangen konnten.

Die erste Gruppe ist nämlich die Gruppe, die weder wissentlich noch im Vollbesitz der geistigen Kräfte Radio hört und sich auch nicht im Geringsten für die etlichen Sondersendungen während der Zeit des Karnevals interessieren. Diese Gruppe ist wirklich zu beneiden. Die zweite Gruppe beinhaltet diejenigen Menschen, die sich für mindestens einen der genannten Begriffe interessieren und das auch schonungslos ausleben. Sie hören also entweder den ganzen Tag über Radio, idealerweise ständig denselben Sender, oder interessieren sich ernsthaft (wenn man in dem Zusammenhang überhaupt von ernsthaft sprechen kann) für Fasching, Karneval, Fastnacht oder wie die Veranstaltung auch immer genannt wird.

Einen Sonderfall innerhalb der zweiten Gruppe bilden die Menschen, die sich nicht nur für einen der beiden Begriffe interessieren sondern gleich für beide eine Affinität hegen. In den Augen derjenigen Menschen, die sich von den beiden Begriffen distanzieren ist diese Gruppe nicht im Geringsten zu beneiden. Selbstverständlich sieht eben diese Gruppe das ganz anders und beneidet die Gruppe, die sich distanziert nicht im Geringsten. Was haben aber jetzt diese beiden Begriffe mit dem Wort Wiederholung zu tun? Nun, man muss sich nur einmal einen Nachmittag lang einem Radiosender widmen.

Man wird relativ schnell feststellen, dass sich die Lieder, die dort gespielt werden nach einiger Zeit wiederholen. Teilweise ist ein und dasselbe Lied drei oder viermal zu hören. An einem Tag. Setzt man das Experiment fort und verlängert den Hörgenuss von einem Nachmittag auf eine ganze Woche, so wird man feststellen, dass sich die Lieder auch tagtäglich wiederholen. Tatsächlich werden scheinbar immer nur dieselben paar Lieder gespielt. Das einzige was sich ändert, ist die Reihenfolge in der sie dem geneigten Hörer präsentiert werden. Präsentiert werden die Lieder übrigens von diversen Moderatoren, deren Bandbreite von annehmbar bis extrem nervtötend reicht.

Unterbrochen wird das Programm im Radio in der Regel durch Gewinnspiele, die zum Teil doch sehr offensiv angepriesen werden. Mancher Sender verlässt sich hier nicht mehr nur auf seine Moderatoren, sondern setzt auch großangelegte Plakataktionen ein. Diese sollen dem Sender neben neuen Hörern auch noch den ein- oder anderen Euro in die Kassen spülen. Denn die Teilnahme an diesen Gewinnspielen erfordert in den allermeisten Fällen die Benutzung einer kostenpflichtigen Hotline. Wird gerade nicht für ein Gewinnspiel geworben und wird auch gerade keine Musik gespielt, so übernehmen die Moderatoren das Zepter und versuchen ihrer Rolle als Spaßmacher der Nation mit allerlei unlustigen und alten Witzen gerecht zu werden.

Hier sind wir dann auch schon beim Begriff Karneval angelangt. Ein Vorteil beim Karneval ist, dass man nicht aufgefordert wird, sich bei einer kostenpflichtigen Hotline zu registrieren. Ansonsten gilt eigentlich alles das, was auch für die Radiosender gilt. Die Musik, die man auch Karnevalsveranstaltungen zu hören bekommt, ist immer dieselbe. Die Witze die der geneigte Besucher einer Veranstaltung in der Karnevalszeit zu hören bekommt, sind genau wie die Witze im Radio in den seltensten Fällen auch witzig. Und genau wie die Witze im Radio sind auch die Humorattacken bei den diversen Karnevalsveranstaltungen schon jahrelang erprobt. Sie werden dem Publikum nämlich schon seit etliche Jahrzehnten in nahezu unveränderter Form präsentiert.





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